NEUBAU SECHS WOHNHÄUSER UND EIN FAMILIENZENTRUM /// Harthof
Preisträger Deutscher Ziegelpreis
Harthof ist ein Stadtviertel im Norden von München – und auch der Name einer Siedlung, die die GWG München dort nach dem Zweiten Weltkrieg schnell errichtet hatte. In den Wohnblöcken sollten in den frühen 1950er Jahren vor allem Flüchtlinge unterkommen. Schon um 1980 galten etliche der Wohnungen als nicht mehr sanierbar. Seit 2004 gibt es einen Bebauungsplan, der vorsieht, dass ein großer Teil der Sozialwohnungen abgerissen und neu gebaut werden soll. Viele Baufelder sind bereits fertig.
Klar war außerdem: Harthof braucht mehr soziale Betreuung. Der Bedarf ist dort besonders hoch. Es gab zeitweise gut doppelt so viele Haushalte mit Kindern, die sozial betreut wurden, als im städtischen Durchschnitt. Die Zahl der Kinderschutzfälle lag 33,7 Prozent über dem städtischen Mittelwert. Hohe Interventionsdichte, hohe Kinderarmut: Das Sozialreferat der Stadt drängte und forderte 2016 sogar öffentlich umfangreiche Angebote im Bereich Familienarbeit.
Das dringend nötige zusätzliche Familienzentrum wurde inzwischen gebaut. Es war Teil eines Architektur-Wettbewerbs, bei dem sich das Team von bogevischs buero aus München 2018 durchsetzte. Es hatte ein Ensemble aus sechs Wohnhäusern samt Familienzentrum an einem gemeinsamen Anger gestaltet. Die Altbauten hatte man einst in monotoner Zeilenbebauung hingestellt. Auch der neue Bebauungsplan schlug noch Zeilen vor. Diese hat bogevischs Team im Wettbewerb aufgebrochen, um mehr Gemeinschaft möglich zu machen. Trotz des Angers musste eine hohe Dichte mit etwa 200 Wohnungen geschaffen werden. Gewünscht waren zudem ein Größen-Mix bei den Wohnungen sowie eine Reduktion der Stellplätze durch alternative Mobilitätskonzepte – und all das in einer für die kommunale Baugesellschaft wirtschaftlichen Bauweise. Die massive Ziegelbauweise erwies sich dabei als besonders geeignet, um die geförderten Gebäude innerhalb enger Budgetgrenzen dauerhaft und robust zu realisieren.
Man entschied sich, massiv zu bauen mit den 42,5 cm dicken S9-Ziegeln von Schlagmann. Um dem Ensemble eine gemeinsame optische Identität zu geben, gestalteten die Architekten die Gebäude mit differenzierten Putzstrukturen, intensiven, warmen Farben, Vouten im Dachüberstand sowie seriellen Gitterrosten als Umwehrungselementen.
Über den Anger werden fünf der sechs Gebäude erschlossen. Er ist zugleich ein geschützter Bereich für die Menschen aus dem Quartier. Dafür wurde er zur ruhigen Nordseite des Grundstücks hin platziert, mit Freiflächen und einem Spielplatz. Den Quartiersplatz hat man barrierefrei angelegt, damit er wirklich für alle nutzbar wird. Dort am Quartiersplatz liegt auch das Familienzentrum mit Terrasse und Café.
Fünf der sechs neuen Wohnhäuser hat man im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus EOF gebaut. Gemeinsam haben sie, dass die Treppenhäuser als Begegnungsort besonders großzügig und kommunikativ gestaltet wurden, dank Oberlicht von Tageslicht erhellt. Bis zu acht Wohnungen sind pro Treppenhaus angebunden. Die Planer kamen mit einer geringen Anzahl an Aufzügen aus. Parallel hat man die Oberfläche im Verhältnis zum Volumen minimiert – mit Vorteilen fürs Wirtschaftliche, Wärmebrücken werden vermieden.
Das Haus 6 hat die bisherige GWG (neuerdings ist sie Teil der „münchner wohnen“) als frei finanzierten Wohnungsbau bauen lassen. Es hat einen Laubengang gegenüber dem Quartiersplatz – ein weiteres kommunikatives Element. Die Individualräume liegen zur ruhigen, sonnigen Südseite hin. Westlich des Quartiersplatzes führt eine Rampe in die Tiefgarage, wo auch der große Fahrradraum sowie die Mobilitätszentrale liegen.
Das „Familienzentrum im Harthof“ in der Kämpferstraße 10 wurde im September 2023 eröffnet. Es ist eine offene, quartiersübergreifende Einrichtung für Familien mit Babys und Kleinkindern bis sechs Jahren. Etwa 400 Quadratmeter sind es drinnen, hinzu kommt ein eigener Gartenbereich für Kindergruppen. Es gibt Spiel- und Lernangebote, die kindliche Entwicklung fördern und Familien entlasten sollen, außerdem Beratung und Kurse für Eltern. Zugleich soll das Zentrum für Familien die Gelegenheit zum Austausch schaffen und Freiräume bieten. Wer mag, kann selbst etwas organisieren und Ideen verwirklichen. So will das Familienzentrum soziale Netzwerke fördern und Selbsthilfe aktivieren.
Die mit Ziegeln errichtete Anlage zeigt, wie sich geförderter Wohnungsbau, wirtschaftliche Umsetzung und architektonischer Anspruch verbinden lassen – und wurde dafür 2024 im Rahmen des Deutschen Ziegelpreises gewürdigt.
Copyright Bilder: Oliver Heissner | bogevischs buero architektur & stadtplanung gmbh
| Baudaten | |
|---|---|
| Bauzeit | 11/19–12/22 |
| Gebäudetyp | 6 Wohnhäuser, 1 Familienzentrum |
| Wohneinheiten | 198 Wohneinheiten |
| Wohnfläche | 13.766 m2 |
| Abmessungen L × B | Gebäude 6: ca. 87,6 × 12,3 m Gebäude 1-5: ca. 40,7 bis 23,1 m × 19,1 m |
| Konstruktion | monolithischer Ziegel POROTON®-S9® in Stärke 42,5 cm |
| Wärmeschutz | U-Wert Außenwand 0,204 W/(m²K) Fenster 0,900 W/(m²K) |
| Anlagentechnik | Fernwärme |
| Energetischer Standard | KfW-Effizienzhaus- Standard 70 |
| Besonderheit | Ausgezeichnet mit dem deutschen Ziegelpreis 2024. |
| Bauherr | Münchner Wohnen Service gmbh, München |
Architektur | bogevischs buero architektur und stadtplanung gmbh, München |
| Bauunternehmen | MICKAN General- baugesellschaft Amberg mbH & Co. KG, Amberg |
| Tragwerksplanung | Suess Staller Schmitt Ing. GmbH, Gräfelfing |