Das Baujahr gibt wichtige Hinweise
Sanierung und Schadstoffe – Überraschungen vermeiden
04.09.2025Welches Risiko in welchem Baujahr schlummern kann
Riechen kann man sie nach all den Jahren nicht mehr, vorhanden sein können sie aber trotzdem: Chemikalien und Baumaterialien, von denen aus heutiger Sicht eine Gefahr für Bewohner oder Umwelt ausgeht, galten vor Jahrzehnten als modern, innovativ oder besonders preisgünstig. Oft wurde ihre Schädlichkeit erst Jahrzehnte später erkannt. In vielen Fällen handelt es sich um Stoffe, deren Herstellung und Verwendung inzwischen verboten ist. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass erst bei Gebäuden, die ab Mitte der 1980er-Jahre errichtet wurden, die Gefahr durch schadstoffbelastete Materialien deutlich abnimmt. Eine konkrete Untersuchung im Einzelfall ist aber immer ratsam.
Bleirohre demnächst kein Thema mehr
Mit Beginn einer zentralen Wasserversorgung startete auch der Siegeszug der Wasserrohre aus Blei. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Bleirohre in Neubauten zum Einsatz. Flächendeckend verboten wurden sie in Deutschland erst 1973, nachdem man erkannt hatte, dass Blei im Trinkwasser die Nerven- und Blutbildung schädigen kann und deshalb besonders für Säuglinge und Schwangere gefährlich ist. In Teilen Bayerns und Baden-Württembergs hingegen wurden Bleileitungen schon vom Ende des 19. Jahrhunderts an nicht mehr verbaut. Außerdem schreibt die Trinkwasserverordnung vor, dass bis zum 12. Januar 2026 alle Bleileitungen und auch Teilstücke entfernt oder stillgelegt sein müssen.
Asbest noch immer häufig
Deutlich länger dürften Werkstoffe mit Asbestfasern ein Problem darstellen. Denn das Material wurde von 1900 bis in die 1990er-Jahre als Dämmstoff, in Bodenbelägen oder Verkleidungen verbaut. Bei Eingriffen in asbestbelastete Bauteile ist eine aufwendige und kostenintensive Entsorgung durch Spezialbetriebe unumgänglich, weil die Fasern mit einem hohen Krebsrisiko einhergehen.
Chemie der Nachkriegszeit
Vor allem bei Baujahren zwischen dem Zweiten Weltkrieg und Mitte der 1980er-Jahre spielen neue chemische Stoffgruppen eine große Rolle. Parkettkleber mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Holzschutzmittel mit chlororganischen Bioziden wie DDT oder Lindan, formaldehydhaltige Spanplatten oder Dichtungsmassen, die mit polychlorierten Biphenylen (PCB) versetzt waren, kamen in dieser Phase verstärkt zum Einsatz. Oft dienen Raumluftmessungen dazu, das Ausmaß schädlicher Ausdünstungen solcher Stoffe zu bestimmen.
Risiken aus jüngerer Zeit
Viele gesundheitsgefährdende Stoffe, die früher beim Hausbau verwendet wurden, sind längst verboten und durch unbedenkliche Materialien ersetzt worden. Doch die Zeit heilt nicht alle Sünden aus der Vergangenheit. Denn einige der belasteten Baustoffe dünsten auch heute noch Schadstoffe aus, die zu Unwohlsein, Kopfschmerzen, Allergien und im schlimmsten Fall zu einem erhöhten Krebsrisiko führen können. Und auch heute gibt es noch Weichmacher oder Lösungsmittel in Dicht- und Hilfsstoffen, Lacken und Beschichtungen, deren Verträglichkeit für Mensch und Umwelt zumindest kritisch beurteilt werden kann. Bei einem entsprechenden Verdacht bieten Labore entsprechende Analysen an.
Sanierung als Chance
Insofern stellen Sanierungen im Bestand eine gute Gelegenheit dar, sich alter Schadstoffe zu entledigen und für ein gesundes Raumklima zu sorgen. Die Beseitigung der Altlasten kann allerdings unter Umständen ein kostspieliges Unterfangen sein und sollte bei der Finanzierung mit eingeplant werden. Eines gilt für Alt- und Neubauten gleichermaßen: Wer beim Mauerwerk auf natürliche Baustoffe wie Lehm oder Ziegel setzt, ist auf der sicheren Seite. Sie sind nicht nur gesundheitlich unbedenklich und sorgen dafür, dass unter Umständen bedenkliche künstlich hergestellte Stoffe, beispielsweise zur Wärmedämmung, gar nicht erst benötigt werden. Aufgrund ihrer diffusionsoffenen Eigenschaften tragen sie zudem von Natur aus zu einem gesunden Raumklima bei.