Schnell, preiswert und präzise
Auf die richtige Kombination kommt es an
04.09.2025
Wie in der Medizin, gibt es auch am Bau nicht das eine Allheilmittel, das alle Probleme beseitigt. Vielmehr ist es die richtige Kombination wirksamer Maßnahmen, die Aussicht auf eine bessere Zukunft bietet. „Die aktuelle Herausforderung für die Politik ist es, Anreize für kostengünstigen Wohnraum zu setzen und die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau so zu gestalten, dass mehr gebaut wird und die Mieten auch für mittlere und untere Einkommen bezahlbar sind“, heißt es dazu in einer Publikation des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes.
Seriell, modular, elementiert?
Einige Begriffe tauchen seit einiger Zeit immer wieder in der Debatte auf, wenn es um Beschleunigung im Wohnungsbau geht. Dazu gehört das „serielle Bauen“, das ein Oberbegriff für die Verwendung industriell vorgefertigter Bauteile für Neubauten ist. Varianten hiervon sind das „elementierte Bauen“, bei dem einzelne Bauteile wie Wände oder Decken fertig auf die Baustelle geliefert werden, und das „modulare Bauen“. Letzteres beschreibt eine Bauweise, bei der komplette Raumeinheiten – gegebenenfalls sogar einschließlich der kompletten technischen Ausstattung – vorgefertigt und vor Ort in einem Baukastensystem zusammengesetzt werden. Die Idee an sich ist nicht neu: Vor vielen Jahrtausenden waren vorgefertigte Ziegelsteine so etwas wie der Ursprung seriellen Bauens.
Vorteile seriellen Bauens
Gemeinsam ist allen Formen dieser Bauweise, dass sie kürzere und von der Witterung unabhängigere Bauzeiten ermöglichen und weniger Fachkräfte auf der Baustelle benötigen. Bei geeigneten und gut geplanten Bauvorhaben ist eine Halbierung der Bauzeit im Vergleich zu einer herkömmlichen Bauweise ein durchaus realistischer Wert.
Kosten lassen sich vor allem dann sparen, wenn standardisierte Bauteile in größerer Zahl zum Einsatz kommen. Ein digitalisierter Herstellungsprozess in spezialisierten Werken minimiert Fehlerquellen und sichert eine gleichbleibend hohe Qualität. Damit werden kostspielige Nachbesserungen vermieden. Auch die Schonung natürlicher Ressourcen durch einen optimierten Materialeinsatz in der Vorfertigung wird häufig zugunsten dieser Bauweise ins Feld geführt.
Voraussetzungen und Grenzen
Damit serielles Bauen seine Vorteile ausspielen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört, dass die Vorgaben der landesspezifischen Bauordnung und der kommunalen Bauleitplanung standardisierte Gebäudetypen oder Module zulassen. Ist dies nicht der Fall, fressen erforderliche Anpassungen den Effizienzvorsprung unter Umständen rasch wieder auf. Ähnliche Folgen können standortspezifische Besonderheiten des Untergrunds zeitigen, wenn sich eine serielle Bauweise nicht flexibel an lokale Gegebenheiten anpassen lässt.
Generell gilt: Je größer die Module und je höher deren Stückzahl, desto größer ist der Kostenvorteil. Um diesen optimal nutzen zu können, ist eine digitalisierte Planung, bei der einer Individualisierung gewisse Grenzen gesetzt sind, unabdingbar – und auch der notwendige Platz auf der Baustelle für die Anlieferung vorgefertigter Bauteile.
Beste Option für den Einzelfall wählen
Auch in Zukunft wird es daher Baustellen geben, in denen aus unterschiedlichen Gründen die herkömmliche gegenüber einer seriellen Bauweise den Vorzug erhält. Eine politische Festlegung auf bestimmte Verfahren wäre kontraproduktiv für die Schaffung von dringend benötigtem neuem Wohnraum. Dies gelingt am besten, wenn Planer und Bauherren aus vielfältigen Möglichkeiten die beste Option für den jeweiligen Einzelfall wählen können. Die entscheidenden Instrumente für mehr Wohnraum hält ohnehin die Politik in der Hand: Wichtiger als die Bauweise sind verlässliche Vorgaben und Rahmenbedingungen, eine gezielte Förderung und weiterer Bürokratieabbau.